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I N T E R V I E W  2


Bei DAS TRIO hast Du bereits mit Hermine Huntgeburth zusammengearbeitet. Wie habt Ihr Euch dieses mal wieder gefunden?
Die Anfrage kam über den Produzenten Günter Rohrbach, der schon KALT IST DER ABENDHAUCH produziert hat und natürlich habe ich mich auch darauf gefreut wieder einmal mit Hermine Huntgeburth zu arbeiten, da sie eine interessante, eigenwillige Regisseurin ist.

Hast Du das Buch von Corinne Hofmann davor schon gekannt?
Ich habe das Buch von Corinne Hofmann nicht gekannt, aber schon viel darüber gehört.

DIE WEISSE MASSAI ist nun nach NIRGENDWO IN AFRIKA Deine zweite Filmmusik zu einem Film, der in Afrika spielt. Bist Du selbst auch fasziniert von diesem Kontinent?
Einerseits bin ich als Mensch und Musiker sehr beeindruckt von Afrika, da ich durch den Kontakt mit den Leuten dort sehr viel über die Kraft der Entspanntheit in der Haltung zum Leben gelernt habe. Andererseits ist Afrika auch ein vergessener Kontinent in einer Welt der Globalisierung, die nur auf Wachstum und Profit aus ist und diese Verlorenheit wird einem Vertreter der westlichen Welt bewusst.

Wann wurdest Du in das Projekt involviert und wie begann Deine Arbeit zu dem Film?
Ich wurde schon zu den Dreharbeiten in das Projekt mit einbezogen und habe dadurch viel von der Stimmung der Drehorte mitbekommen. Meine Arbeit begann mit dem Aufnehmen der Originalmusiken in Kenya.

Gab es einen Temptrack oder hattest Du aufgrund Deiner Erfahrungen mehr musikalische Freiheiten?
Es gab Temptracks, aber diese wurden immer in Abstimmung mit Regisseurin, Cutterin und mir angelegt.

Inwieweit haben Dir Deine Erfahrungen von NIRGENDWO IN AFRIKA bei der Umsetzung zu dieser Filmmusik geholfen?
Die Erfahrungen mit NIRGENDWO IN AFRIKA haben mir geholfen in der Entscheidung, viel mehr Originalsounds aus der Gegend zu sammeln, um so besser in der Stimmung der Spielorte zu sein.

Du warst auch wieder in Afrika und hast vor Ort einen Teil der Musik aufgenommen. Wie habt Ihr Euch verständigt?
Wir hatten vom Produktionsteam des Filmes einheimische Fahrer, die schon vorher Kontakt mit Musikern aufgenommen hatten und so kamen wir an Orte, an die man sonst nicht kommen würde. Diese Fahrer haben auch für uns übersetzt und verhandelt.

Afrikanische Klänge und Rhythmen sind schon oft mit Filmmusik zusammengekommen. Bei DIE WEISSE MASSAI finde ich, ist Dir das besonders symbiotisch gelungen. Kannst Du noch etwas über den Kompositionsprozess zu diesem Film erzählen?
Ich habe schon bei den Aufnahmen der Originalmusiken in Kenya darauf geachtet, die Lieder und Musiken möglichst vielfältig aufzunehmen, damit ich die Verbindung zu meinen Kompositionen leichter schaffen würde. Auch habe ich den Leuten erklärt, was ich mit den Aufnahmen vorhatte. Vor allem aber habe ich mich so in die Aufnahmen verliebt, dass es einfach war, eine Verschmelzung zu schaffen.

Was machst Du nach einem so großen Projekt, arbeitest Du dann gleich an etwas anderem weiter oder musst Du Dir erstmal den Kopf wieder freimachen?
Normalerweise habe ich nach dem ganzen Aufnahmestress am meisten Energie und könnte gleich weitermachen, aber natürlich ist es wichtig, nach einem größeren Projekt wieder einmal normal zu leben.

Manche Komponisten sagen, dass die Quelle ihrer Inspiration von Gott oder wie man es nennen möchte kommt, die Musik sozusagen durch sie hindurchfließt. Wie siehst Du das bei Dir?
Ich glaube, die Inspiration hat tausend Wege auf denen sie zu uns gelangen. Auf jeden Fall kommen die zündenden Ideen von einem unbekannten uns wohlgesinnten Ort.




Das Interview wurde Anfang November 2005 von René Holzhauer geführt.